Manuskript für die Ausbildung von Verwaltungsfachangestellten, 1.Ausbildungsjahr
Thema "Arbeitsorganisation und bürowirtschaftliche Abläufe"

6.    Umgang mit Fachliteratur und Fachzeitschriften

Zum Themengebiet gehört der Besuch einer (Verwaltungs-) Bibliothek bzw. eines Archivs.

Von jedem Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltung wird erwartet, dass er sich mit Fachliteratur, Fachzeitschriften und inzwischen auch anderen Quellen (z.B. Internet) den jeweils aktuellen Stand des Wissens auf seinem Fachgebiet selbständig aneignet. Dazu hat er insbesondere
- die aktuellen Rechtsvorschriften zu kennen und sich über ihre Entwicklung zu informieren,
- sich ständig über die Auslegung der Rechtsvorschriften durch Rechtsprechung und Verwaltungspraxis zu informieren und
- über die Rechtsvorschriften hinaus ständig auf dem aktuellen Wissensstand auf seinem Gebiet zu bleiben.

6.1.    Verkündungsblätter, Weisungsblätter

Die Verkündungsblätter sind die Veröffentlichungsorgane, in denen Rechtsvorschriften bekanntzumachen sind, um rechtswirksam zu werden. Dies sind:

a) für den Bund:
- das Bundesgesetzblatt, in dem gem. Art.82 GG die Gesetze und Rechtsverordnungen zu verkünden sind. Im Bundesgesetzblatt Teil I werden Gesetze und Rechtsverordnungen bekanntgemacht, im Teil II völkerrechtliche Vereinbarungen und die dazu erlassenen Rechtsvorschriften. Teil III ist ist eine Sammlung des Bundesrechtes.

- der Bundesanzeiger, in dem ebenfalls Rechtsverordnungen des Bundes veröffentlicht werden können.

- sonstige Verkündungsblätter.

b) für die Länder:
- die Gesetz- und Verordnungsblätter, in denen die Gesetze und Rechtsverordnungen der Länder verkündet werden. Im Land Brandenburg werden diese gem. Art.81 der Landesverfassung im Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Brandenburg bekanntgemacht, und zwar Gesetze im Teil I und Verordnungen im Teil II.

Auf der kommunalen Ebene wird das Ortsrecht (insbesondere Satzungen) in der Regel in den Amtsblättern der Landkreise, Städte bzw. Gemeinden bekanntgemacht.

Zu den Weisungsblättern gehören die Ministerialblätter und Amtsblätter. Sie richten sich meist nicht an die Öffentlichkeit, sondern an die Verwaltung. Enthalten sind oft Verwaltungsvorschriften und amtliche Mitteilungen von behördeninterner Bedeutung. Beim Bund ist dies z.B. das Gemeinsame Ministerialblatt, im Land Brandenburg z.B. das Amtsblatt für das Land Brandenburg mit dem Amtlichen Anzeiger.

Inzwischen sind viele Rechtsvorschriften auch im Internet verfügbar. Das Bundesministerium der Justiz führt eine Sammlung der aktuellen Fassungen des Bundesrechts (http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/GESAMT_index.html) . Ferner ist das Bundesgesetzblatt und der Bundesanzeiger auch online verfügbar (http://www.ebundesanzeiger.de). Das brandenburgische Justizministerium führt ebenfalls eine Sammlung der aktuellen Fassungen des brandenburgischen Landesrechts im Internet (http://www.brandenburg.de > Landesregierung > Ministerium für Justiz > Landesrecht). Auch viele Kommunen stellen inzwischen ihre Satzungen ins Internet. Wichtig ist jedoch, dass alle diese Internet-Fassungen nicht die amtliche Fassung darstellen; diese wird ausschließlich in den gesetzlichen Verkündungs- bzw. Amtsblättern (auf Papier) veröffentlicht.

6.2.    Kommentare

Kommentare geben ausführliche wissenschaftliche Erläuterungen zu einzelnen Bestimmungen von Gesetzen, Verordnungen usw.. Man unterscheidet dabei
- umfangreiche Großkommentare (ausführliche und breit angelegte Kommentierung),
- handliche Kurzkommentare (konzentrierte Abhandlung) sowie
- Referentenkommentare (Kommentar durch den für einen Gesetzentwurf zuständigen Referenten).

Kommentare geben meist die persönliche Auffassung des Kommentators wieder, sofern nicht ausdrücklich Gerichtsentscheidungen zitiert werden. Sie sollten daher nie ohne ausführliches Studium des reinen Gesetzestextes verwendet werden.

6.3.    Entscheidungssammlungen der Obergerichte

Die höchstrichterlichen Entscheidungen sichern eine einheitliche Rechtsauslegung bestimmter Angelegenheiten. In Zweifelsfällen haben sich die Verwaltungen bei der Auslegung von Rechtsvorschriften an diesen Entscheidungen zu orientieren. In der Praxis werden entsprechende Recherchen fast nur noch über entsprechende Sammlungen auf CD-ROM (z.B. JURIS) oder im Internet (ebenfalls über z.B.JURIS) realisiert.

6.4.    Fachliteratur und Fachzeitschriften

In den meisten Behörden wird ein Bestand an Fachbüchern vorgehalten. Meist sind diese in einer Verwaltungsbibliothek verfügbar, in kleineren Verwaltungen auch in einem Sekretariat o.ä.. Fachbücher, die sehr oft an einem Arbeitsplatz benötigt werden, sind teilweise auch direkt dort vorhanden. Auch in diesem Fall sollte eine zentrale Übersicht über alle in der Verwaltung beschafften Bücher geführt werden. Auch die Beschaffung sollte über eine zentrale Stelle laufen, um Doppelungen zu erkennen. Fachbücher sind im Vergleich zu Belletristik oft sehr teuer. Dies gilt insbesondere für Loseblattsammlungen, deren Ergänzungslieferungen im Laufe eines Jahres oft ein Mehrfaches des Grundwerkes kosten.

Fachzeitschriften können wegen ihres periodischen Erscheinens regelmäßig über den neuesten Stand auf einem Fachgebiet informieren. Sie sind daher besonders geeignet, sich auf seinem Fachgebiet auf dem Laufenden zu halten. Sie werden oft in Umlauf gegeben, so dass die auf einem Gebiet tätigen Mitarbeiter alle die entsprechenden Informationen erhalten. Insbesondere bei speziellen Fachrichtungen (z.B. im Gesundheitsamt, Kataster- und Vermessungsamt) ist es üblich, dass sich vor allem leitende Mitarbeiter Fachzeitschriften auch privat halten, um auf ihrem Gebiet immer auf dem neuesten Stand zu bleiben.


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Letzte Änderung: 20.11.2004
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