Totes Gleis: Von Prenzlau nach Fürstenwerder (1)

Die Uckermark ist von stillgelegten Bahnstrecken durchzogen. Wer Jack Londons "Abenteuer des Schienenstrangs" oder den Film "Schatten eines Sommers" nachempfinden will, kann sich darauf zu Fuß auf den Weg machen und dabei so manches Abenteuer erleben.

Wenn man in einer Straße wohnt, die "Am alten Bahndamm" heißt, kommt eines Tages unweigerlich die Frage: Was für ein Bahndamm? Wo sind die Schienen? Welche Strecke führte hier einst entlang?

Um dies zu erkunden, machen wir - Vater und Sohn - uns eines Tages im Juni 2005 auf, um die alte Bahntrasse zu Fuß zu erkunden. Was macht man aber, wenn die Trasse auf keiner aktuellen Karte mehr verzeichnet ist, weil sie zum großen Teil nicht mehr existiert? Da hilft nur noch eine alte DDR-Verkehrskarte des Bezirkes Neubrandenburg aus dem Jahre 1971 und die Satellitenbilder, die in russischer Kosmos-Satellit  von uns gemacht hat. Beides hätte ich hier gerne abgebildet, aber man muß sich ja nicht mutwillig in die Klauen geldgieriger Abmahn-Anwälte werfen.

Gleise des ehemaligen Kreisbahnhofs in PrenzlauUnsere Wanderung beginnt an einem heißen, windigen Junitag am Bahnhof in Prenzlau. Hier, am ehemaligen Kreisbahnhof, fuhren einst die Züge der Prenzlauer Kreisbahn nach Fürstenwerder ab. Hier begannen auch die Kreisbahn-Strecken nach Strasburg, Klockow und Löcknitz.

Abzweig von der Strecke Berlin-StralsundNach zwei Kilometern an der Strecke nach Stralsund entlang gelangen wir schließlich zum Abzweig, von dem das Gleis nach Templin, Strasburg und Fürstenwerder führt(e).

Links nach Templin, rechts nach FürstenwerderNur wenige Hundert Meter weiter trennt sich die Trasse: Links geht es weiter nach Templin, rechts nach Strasburg und Fürstenwerder.
Warnschild: Weiterfahren verboten!Ein weitgehend überflüssiges Hinweisschild warnt die Lokführer, daß es hier nicht weitergeht.

Brücke über die UckerKurz darauf erreichen wir das erste ernste Hindernis: Die Brücke über die Ucker. Die Bretter in der Mitte sind wackelig und wenig vertrauenerweckend. Drei Meter, also tief unter uns, tosen die wilden Stromschnellen und Strudel der Ucker. Blick in die Tiefe der Ucker

Auf dem Bahndamm durch die UckerniederungWeiter geht es auf dem schönsten Abschnitt der Strecke: Auf dem erhöhten Bahndamm durch die Uckerniederung, mit weitem Blick über die im heftigen Wind wogenden Felder. Nur hin und wieder sieht man im tiefen Gras einen Kilometerstein als Hinweis darauf, daß hier einst Züge verkehrten.Kilometerstein


Undurchdringliches Dickicht in EllingenDoch dann ist abrupt Schluß: In Ellingen versperrt uns undurchdringliches Gestrüpp den Weg. Wir müssen einen Umweg durch das Dorf gehen und erreichen den ehemaligen ersten Bahnhof auf der Strecke in Ellingen.Ehemaliger Bahnhof in Ellingen



Auf dem Weg nach DedelowDahinter geht es in einem Taleinschnitt weiter in Richtung Dedelow. Schon von weitem grüßen uns die hohen Silotürme der Dedelower Milchviehanlage (Nachtrag März 2006: Die Silos stehen nicht mehr; sie sind einfach weg!).

Weiche mit Abzweig nach FürstenwerderIn Dedelow erwartet uns dann ein historischer Punkt: Genau an dieser Weiche zweigte früher die Strecke nach Fürstenwerder von der Strecke nach Strasburg ab.

Der ehemalige Dedelower BahnhofDoch der ehemalige stolze Dedelower Bahnhof - einst Knotenpunkt zwischen der Strasburger und der Fürstenwerderaner Strecke - ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Hühner picken auf den Schienen, Komposthaufen rotten vor sich hin und Gartenbau und Kleintierzucht beherrschen die Szenerie.

Blumen statt BahnhofZwischen den Gleisen haben Kleingärtner akkurate Blumenreihen gepflanzt, und an den einstigen Bahnhof erinnnern nur noch Straßenbezeichnungen.Straßenschild Bahnhofstraße



Am alten Bahndamm in DedelowAuch an den alten Dedelower Bahndamm erinnert nur noch der vertraute Straßenname.
Straßenschild Am alten Bahndamm




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Letzte Änderung: 19.3.2006
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