Suppe und Eintopf

Warum in der Uckermark der Löffel nach 2 Minuten in der Erbsensuppe steckenbleiben muß und was "Wrukenpropper" sind, erfahren Sie hier.

Erbsen mit Lungwurst

Erbsensuppe ist zwar auch anderswo in Berlin und in der Mark Brandenburg ein weitverbreitetes Gericht. So, wie sie der Uckermärker kocht, habe ich sie aber noch nirgendwo sonst gegessen. Dabei werden die (über Nacht eingeweichten) gelben Erbsen zusammen mit ein paar Kartoffeln und Suppengemüse gekocht, gewürzt mit etwas Majoran. Dazu gibt man noch gebratenen Speck und Zwiebel. Die Konsistenz ist hier aber so, daß man die Suppe recht flott essen muß: Sie wird so stramm und "sämig" gekocht, daß sie beim Erkalten immer fester wird. Seine Ursache hat das sicher, wie schon auf der Startseite erwähnt, darin, daß der früher hart auf dem Feld arbeitende Uckermärker Bauer etwas Kräftiges und Festes im Bauch haben mußte, wenn er seinem Tagwerk nachging. Diese Art des Kochens hat sich offenbar über Jahrzehnte erhalten und wird noch heute teilweise, allen Diätempfehlungen und der "Nouvelle Cuisine" zum Trotz, angewandt. Zu seiner Erbsensuppe ißt der Uckermärker gerne eine Lungwurst. Das ist eine Wurst, die zum Teil aus Lunge besteht, kräftig geräuchert wird und zu den Erbsen wirklich vorzüglich schmeckt.

Wruken (Kohlrübeneintopf)

Der Generation, die den Krieg miterlebt hat, wird man mit diesem Gericht sicherlich keine Freude machen; waren doch Kohlrüben in Kriegszeiten häufig das einzige, was man zu Suppe machen konnte. Trotzdem, für die anderen: Da Kohlgerichte nur mit Fett richtig schmecken, nimmt man als Fleisch am besten Schweinebauch. Dieser wird in Salzwasser gekocht. In die Brühe gibt man die geschälten und in Würfel geschnittenen Kohlrüben und Kartoffelstücken sowie etwas Kümmel. Das ganze wird weichgekocht und mit Pfeffer und Muskat abgeschmeckt. Den Schweinebauch schneidet man in Stücken. Wer das ganze etwas sämig mag, geht ein paarmal mit dem Kartoffelstampfer in die Suppe. Am besten schmeckt diese, wenn man sie schon am Vortag kocht und über Nacht durchziehen läßt- dann hat sie am nächsten Tag erst den richtigen, kräftigen Geschmack.

Übrigens: Die Wruken gaben auch den Prenzlauer Gemüsebauern ihren Namen, die am Rande der Stadt- dem sogenannten "Kuhdamm"- ihre Äcker hatten. Sie wurden von den alten Prenzlauern "Wrukenpropper" genannt. Im Prenzlauer Hotel "Wendenkönig", das in diesem Gebiet liegt, kann man daher auf der Speisekarte auch "Wrukenproppers Leibgericht" finden, ein Wrukenmus mit Kassler.
 

Gemüseeintopf ("Quer durch´n Jarten")

Die wahren Kochkünstler dieser Welt waren von jeher nicht die Bocuse (schreibt man den so??), Schuhbeck, Lafer oder die anderen hochbezahlten Küchenstars. Es waren und sind die Hausfrauen, die gerade in den ärmeren Schichten oft aus wenigen einfachen Zutaten jeden Tag ein Gericht auf den Tisch stellen müssen, das der Familie schmeckt und alle satt macht. Gemüsesuppen haben dabei in den Küchen aller Gegenden immer eine wichtige Rolle gespielt; sei es der russische Borschtsch, die italienische Minestrone oder der Pichelsteiner Topf aus Deutschland. Die Uckermärkerin nimmt für den Gemüseeintopf (für den ich hier auch schon die Bezeichnung "Durcheinandergekochtes" gehört habe) ein Stück Suppenfleisch (das kann Schweineschulter, Rippchen oder so was in der Art sein) und kocht daraus mit Salz zunächst eine Brühe. Dazu kommt das heimische Gemüse, das gerade im Garten wächst. Das können Möhren, Kohlrabi, Bohnen, Erbsen, Kartoffeln, Kohl oder was sonst noch aus der Erde kommt sein, die in Stücke geschnitten in der Brühe gargekocht werden. Die moderne Küche mag das Gemüse zwar bißfest, der Uckermärker kann es aber gar nicht leiden, wenn das Gemüse noch zwischen den Zähnen knirscht. Gewürzt wird von der Hausfrau nach dem Geschmack der Familie; meist passen Bohnenkraut, Pfeffer, etwas Majoran und immer Petersilie dazu. Das Ergebnis in der Schulküche haben wir während meiner Schulzeit verächtlich "Quer durch´n Jarten" genannt, aber so schlecht hat es eigentlich nicht geschmeckt.


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Letzte Änderung: 9.2.2005
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