Der Uckermärker als solcher... 

Daß die Uckermärker von gedrungener Gestalt seien und keinen Hang zur Weichlichkeit hätten, lobte einst ein Zeitzeuge. Der Landstrich hat aber auch große Söhne und Töchter hervorgebracht.

Man kennt das ja: jedes Völkchen in Deutschland hat so seine Eigenarten. Die Bayern tragen Seppelhosen und Gamsbarthüte und trinken den ganzen Tag Weißbier zu Weißwurscht und Brezen. Berliner haben etwas Herz und viel Schnauze. Kölner laufen mit Pappnasen rum (jedenfalls im Februar). Thüringer jodeln auf dem Rennsteig. Norddeutsche tragen Schiffermützen, sind stur und wortkarg. Sachsen sprechen unmöglich und trinken Kaffee in rauhen Mengen, dafür haben sie aber die schönsten Frauen. Schwaben haben sich mit viel Fleiß alles selbst gschaffn. Und die aus dem Ruhrpott fahren Manta und trinken Dosenbier "auf Schalke".

Und wie sind nun die Uckermärker? Lassen wir dazu den Prenzlauer Arzt Simon Herz zu Wort kommen, der  in dem Buch "Versuch einer medizinischen Ortsbeschreibung der Uckermärkischen Hauptstadt Prenzlau" im Jahre 1790 die Einheimischen so beschrieb:
"... Ein blühendes und volles Ansehen, ein gut gestalteter, gesunder und dauerhafter Körper von mittelmäßiger Größe zeichnen den großen Haufen der hiesigen Einwohner aus, die ihre Gesundheit durch unordentliches Leben nicht geschwächt haben... Man wird also überhaupt finden, wenn man einige genauere Blicke auf den allgemeinen psychologischen Charakter der hiesigen Einwohner wirft, das eine gemäßigte Tätigkeit, die leicht ins Langsame, aber selten in das Gefühllose ausartet, das Individuelle ihres Charakters ausmacht. Zu weitläufigen Belehrungen und großen Eigenschaften des Geistes zeigt sich bei ihnen zwar wenig Anlage; aber hingegen haben sie ein gesundes Urteil, sind friedsam, mitleidig gegen Arme und Notdürftige, und kennen keine Verstellung. Äußerst selten siehet man ihren Zorn in wütende Leidenschaften ausarten; aber sehr leicht nimmt ihre Unbiegsamkeit die Härte des Eigensinns und der Hartnäckigkeit an. Meistens lieben sie starke Getränke und feste Speisen; haben starke Leibeskräfte und Muskeln, und gute und starke Verdauungskräfte; sind zu mühsamen und anhaltenden Arbeiten geschickt, und haben,- einzelne, wenige, leichtsinnige, lüderliche Menschen, die man hier, sowie in jedem Orte der Welt, antrifft, ausgenommen- keinen Hang zur Weichlichkeit und üppigen Verschwendung." (Quelle: Heimatkalender Prenzlau 2003)
Von ihrem Charakter ähneln die Ur-Uckermärker wohl am ehesten den Norddeutschen. Sie tragen das Herz nicht auf der Zunge, sind eher wortkarg und Fremden gegenüber zunächst zurückhaltend. Wenn es etwas zu tun gibt, machen sie nicht viel Gewese, sondern packen es ruhig und ausdauernd an. Da sie sehr erdverbunden sind und mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehen, sind sie neumodischem Zeugs gegenüber erst mal etwas mißtrauisch. Von Schwätzern halten sie nicht viel; soll der andere erst mal zeigen, daß er ein echter Kerl ist. Am wohlsten fühlt sich der Uckermärker auf seinem flachen Land, wo der Blick weit bis zum Horizont schweifen kann. Er ist naturverbunden und in großen, lauten, schrillen Städten ist ihm etwas unwohl. Mit Tieren und Pflanzen fühlt er sich verbunden, was aus der oft bäuerlichen Herkunft herrührt.
(Ich hoffe, daß sich keiner von den Uckermärkern durch diese Charakterisierung auf den Schlips getreten fühlt.)

Von den Uckermärker Ureinwohnern findet man heute allerdings nicht mehr allzu viele. Im Laufe der Jahre kamen viele Sachsen, Berliner, Thüringer, Anhaltiner, Mecklenburger und Brandenburger hierher und mischten sich mit den Uckermärkern. Besonders in den 50-er und 60-er Jahren kamen viele Menschen aus anderen Gegenden der inzwischen verblichenen DDR in die dünn besiedelte Uckermark. Einerseits folgten sie dem Ruf "Arbeiter aufs Land!" und halfen z.B., die "Kreisbetriebe für Landtechnik" (KfL) (vorher MAS bzw. MTS) aufzubauen. Außerdem wurden in dieser Zeit in der vorher stark landwirtschaftlich geprägten Region eine Reihe Industriebetriebe errichtet, die den Zuzug zahlreicher Industriearbeiter nach sich zogen. Beispiele dafür sind das "Petrolchemische Kombinat" und die Papierfabrik in Schwedt/Oder oder auch das Armaturenwerk in Prenzlau. Auf diese Weise wurde z.B. aus dem ehemaligen Ackerbürgerstädtchen Schwedt eine Stadt mit zeitweilig über 50.000 Einwohnern. Zeitzeugen berichten heute noch von den wilden Zeiten beim Aufbau der "Großbauten des Sozialismus" (so war auf früheren Landkarten das PCK Schwedt gekennzeichnet) und der dazugehörigen Stadt in den 60-er Jahren. Vielen Schwedtern krampft sich daher auch das Herz zusammen, wenn sie sehen, daß viele der damals erbauten Wohnblöcke heute wieder abgerissen werden, weil Tausende Menschen die Stadt auf der Suche nach Arbeit verlassen. 

Ab und zu trifft man aber doch einen der alten Uckermärker. Am ehesten kann man ihn erkennen, wenn er in einer dem gemeinen Deutschen weitestgehend unverständlichen Sprache, dem Uckermärker Platt, loslegt. Das Uckermärker Platt ist eine spezielle Form des in Norddeutschland gesprochenen Plattdeutsch. Eine Reihe von Dichtern haben sich des Uckermärker Platt angenommen. Dazu gehörte z.B. der Dichter Max Lindow, der von den Uckermärkern als Heimatdichter verehrt wird. Auch die 1998 verstorbene Templiner Schriftstellerin Erna Taege-Rhönisch hat den größten Teil ihres Werkes in dieser Mundart hinterlassen. Da aber leider immer weniger Uckermärker dieses Dialektes mächtig sind, bemühen sich einige Menschen, die Sprache der Nachwelt zu erhalten; so z.B. der Prenzlauer Dr. Eberhard Krienke, der ein Buch darüber verfaßt hat (Dr. Eberhard Krienke: "Uns Uckermark. Sprache und mundartliche Literatur einer Region". Schibri-Verlag Milow). Mehr Informationen zum Uckermärker Platt finden Sie auch auf der Seite www.unterm-weidenbaum.de.

Aber auch den nicht Uckermärker Platt sprechenden, womöglich jüngeren Eingeborenen kann man unschwer entlarven: Fragen Sie ihn einfach scheinheilig nach der Herkunft irgend eines Bekannten. Antwortet er mit "Der stammt sich von (Klinkow, Zernikow oder ein anderer Ortsname)!", so können Sie anhand dieses grammatikalisch entsetzlichen Satzes sicher davon ausgehen, daß es sich um einen geborenen Uckermärker handelt.

Wenn man über die Menschen einer Region schreibt, kommt man natürlich nicht darum herum, mit ihren "großen Söhnen und Töchtern" zu prahlen bzw. ihnen zu huldigen. Die Uckermark hat dazu einiges zu bieten.
 

Jakob Philpp HackertSo wurde einer der großen deutschen Landschaftsmaler des 18.Jahrhunderts, Jakob Philipp Hackert (1737-1807) in Prenzlau geboren, der ein enger Freund Goethes war. Leider hat er nie seine uckermärkische Heimat gemalt, sondern vor allem die italienische Landschaft. Einige seiner Bilder kann man im Prenzlauer Dominikanerkloster besichtigen.


Ehm WelkEin weiterer Künstler, der viele Jahre in der Uckermark lebte, war Ehm Welk (1884-1966). Die Erlebnisse in seinem langjährigen Wohnort Biesenbrow (bei Angermünde) verarbeitete er in den beiden Büchern, die ihn weithin berühmt machten: "Die Heiden von Kummerow" und "Die Gerechten von Kummerow"- beide kann man getrost als Kultbücher bezeichnen. Ihm zu Ehren vergibt der Landkreis Uckermark jährlich den "Ehm- Welk- Literaturpreis" an einen Autor des Landes Brandenburg. Außerdem vergibt der Ehm- Welk- Gedächtnisverein ein "Ehm- Welk- Stipendium" an Schüler, die sich durch ihr Verhalten und durch gute Leistungen Anerkennung erworben haben. (Biographie und mehr über Ehm Welk bei ehmwelk.de)


Armin Mueller-StahlNoch ein Künstler hat viele Jahre in Prenzlau gelebt und hier seine künstlerische Karriere begonnen: Der Schauspieler Armin Mueller-Stahl, der den Ostdeutschen vor allem als Höfel in "Nackt unter Wölfen" sowie als MfS-Kundschafter Werner Bredebusch alias Achim Detjen in "Das unsichtbare Visier" in Erinnerung sein dürfte. Inzwischen stand er auch erfolgreich in Hollywood vor der Kamera.


Max SchmelingNeben bekannten Künstlern stammt auch einer der größten deutschen Sportler aus der Uckermark: Max Schmeling, 1930-1932 Schwergewichtsweltmeister im Profiboxen, wurde 1905 in Groß Luckow geboren (naja, das liegt zwar nicht mehr ganz im heutigen Landkreis Uckermark, aber nur wenige Schritte hinter der Kreisgrenze).


Grab von Friederike KrügerVor allem in Templin wird Friederike Krüger verehrt. Sie wurde 1789 in Friedland geboren. Im Jahr 1813 verkleidete sie sich als Mann, um am Befreiungskampf gegen Napoleon teilzunehmen. Sie wurde als August Lübeck in das Pommersche Infanterie-Regiment Colberg aufgenommen und später zum Unteroffizier befördert. 1813 wurde sie in der Schlacht bei Dennewitz verwundet. Für Ihre Verdienste im Kampf gegen die Franzosen wurde sie mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Sie starb am 31.5.1848 und wurde auf dem Templiner St.- Georgen - Friedhof  beigesetzt. In Templin ist eine Straße nach ihr benannt.


David GillyIn Schwedt wurde im Jahre 1748 der Architekt David Gilly geboren, übrigens ein Nachfahre der Hugenotten, die in der Uckermark sehr zahlreich vertreten waren. Er war ein bedeutender Hafen,- Brücken- und Kirchenbaumeister und ein bedeutender Vertreter des Frühklassizismus. Bereits mit 22 Jahren wurde er Landbaumeister und war wenige Jahre später als Baudirektor für die Provinz Pommern tätig. Charakteristisch für seine Bauten waren die Verbindung von ästhetischer Schönheit mit sparsamer Bauweise- ein Baustil, den später Karl Friedrich Schinkel besonders ausprägte ("Baun ´se billig, Schinkel!"). Schinkel war übrigens ein Schüler von Gillys Sohn Friedrich Gilly. David Gilly wurde 1788 Geheimer Oberbaurat in Berlin, unterrichtete an der Bauakademie und schrieb wichtige Werke zur Architektur (u.a. "Handbuch der Land-Bau-Kunst"). Wichtige Bauten Gillys waren das Schloß in Steinhöfel, das Sommerschloß in Freienwalde, der königliche Landsitz in Paretz und das Wohn- und Verlagshaus Vieweg in Braunschweig. David Gilly starb 1808 in Berlin.


Leopold von BuchAus Stolpe stammt Leopold von Buch, ein bedeutender Geologe und Naturforscher. Er wurde dort 1774 geboren. Von Buch war Mitgründer der Deutschen Geologischen Gesellschaft. Er prägte eine ganze geologische Forschungsepoche und war wohl der bedeutendste deutsche Geologe seiner Zeit. Seine wichtigsten Forschungen beschäftigten sich mit der Entstehung und der Geologie der Alpen. Er untermauerte die These, daß Gebirge durch Vulkanismus entstanden sind. Von Buch entwickelte außerdem die erste geologische Karte Deutschlands. Er starb 1853 in Berlin.



Eine der wichtigsten Erfindungen in der Geschichte der Menschheit stammt von dem Lychener Uhrmachermeister Johann Kirsten. Er schenkte der Welt- die Reißzwecke, hier auch Pinne genannt. 1902 erfand er die kleine, unscheinbare und doch inzwischen unentbehrliche Pinne. Reich geworden ist er damit allerdings nicht. Das große Geschäft machte mit der Reißzwecke der Lychener Kaufmann Lindstedt, der sich das spitze Ding am 8.Januar 1904 patentieren ließ und mit der Produktion zum Millionär wurde. Zur Erinnerung an den Erfinder Kirsten wurde im Sommer 2003 in Lychen ein Denkmal mit einer 50 cm langen und 50 cm im Durchmesser aufbietenden Reißzwecke errichtet. Zum Glück steht sie auf einem 2 Meter hohen Sockel- wenn man sich die eintreten würde.... Und im Seehotel gibt's einen Salat "Pinne". Übrigens: Kirstens Geburts- und Sterbedatum sind unbekannt und ein Bild war von ihm auch nicht zu finden.



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Letzte Änderung: 28.1.2005
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