Kartoffelgerichte (Nudeln)

War die Kartoffel früher ein Arme-Leute-Essen, so hat sich die Liebe zur Kartoffel trotzdem bis heute in der Uckermark erhalten.

Pellnudeln (Pellkartoffeln)

Kartoffeln werden in der Uckermark Nudeln genannt und auf vielfältige Art zubereitet. Da bei den armen Leuten früher nichts verschwendet werden durfte, wurde die Nudel hier oft in ihrer einfachsten Art gegessen- als Pellnudel. Dazu werden möglichst gleichgroße Nudeln herausgesucht und sauber gebürstet. Wer sie gerne etwas aufgeplatzt und mehlig ißt, schneidet sie dann an einigen Stellen etwas ein. Dann werden sie, am besten zusammen mit Kümmel gegen die Luft im Bauche, weich gekocht; sie dürfen aber noch nicht zerfallen. Die abgegossenen Kartoffeln wurden dann früher auf den großen Holztisch in der Bauernstube gekippt. Alle saßen drumrum und versuchten, die heißen Nudeln zu pellen, ohne sich zu verbrennen. Sehr schön dargestellt ist das in dem DEFA-Film "Der große und der kleine Klaus". Als der kleine Klaus die Haut seines vom üblen großen Klaus totgeschlagenen Pferdes Hans verkauft hatte, konnte er nach langer Zeit für seine arme Familie das erstemal wieder Salz für die Kartoffeln kaufen und auf den Tisch stellen- damals schon fast ein Fest für die armen Leute. Heute muß man sich nicht mit etwas Salz begnügen. Zu den Pellnudeln ißt man am besten Quark (in den kräftig Zwiebeln reingehören), Leinöl (oder auch ein anderes Öl), Butter, Griebenschmalz und ein kräftiges Stück Leberwurst oder Blutwurst. Dazu gehört ein Bier und wegen der blähenden Wirkung, zumindest bei neuen Nudeln, ein eiskalter Klarer hinterher.

Wutschnudeln

Dieses Gericht können Sie im Prenzlauer Hotel "Wendenkönig" mal probieren, wenn Sie wollen. Man kocht dazu Kartoffeln, die man, wenn sie weich sind, kräftig stampft. Parallel dazu läßt man Speck in einer großen Pfanne aus und brät darin Zwiebeln an. Dort hinein gibt man dann die gestampften Kartoffeln. Das ganze wird vermischt und mit etwas Pfeffer, Salz und Majoran abgeschmeckt. Darüber streut man gehackte Petersilie. Serviert werden die Wutschnudeln mit Spiegeleiern. Am besten schmeckt ein Pils dazu.

Quetschkartoffeln und süß-saure Eier

Quetschkartoffeln und süß-saure Eier sind, ebenso wie Spirelli und Tomatensoße oder Eintopf, ein typisches Montags- Kantinen- Essen, weil man dazu nicht viel vorbereiten braucht und sie schnell zubereitet sind. Die weichgekochten Kartoffeln werden dazu mit warmer Milch und einem Klecks Butter gestampft, bis sie schön cremig sind. (Bitte nicht diesen grausigen Instant- Kartoffelbrei nehmen, das ist nur was für faule Barbaren.) Für die Soße brät man festen Rauchspeck aus und schwitzt darin ein paar Zwiebelwürfel goldgelb an. Dann etwas Mehl einrühren, anschwitzen und vorsichtig mit Wasser auffüllen. Ständig rühren, daß sich keine Klumpen bilden. Wenn die richtige Soßenkonsistenz erreicht ist, erst Zucker einrühren und dann vorsichtig mit Essig abschmecken. Die Soße soll einen guten süß-sauren Geschmack bekommen und nicht zu sauer sein. Aus dem Kartoffelbrei formt man einen vulkanähnlichen Berg auf dem Teller, schöpft in den Krater die Soße und packt ein oder zwei 6-Minuten-Kocheier obendrein. Besonders Kindern macht es viel Freude, Kartoffelbrei- Dammbrüche und Soßen- Überflutungen auf dem Teller zu provozieren; das sorgt für Kurzweil beim Essen.

Und warum die Kartoffel in der Uckermark Nudel heißt und was man aus ihr noch so machen, erfahren Sie auf der Nudelseite.


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Letzte Änderung: 9.2.2005
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