Aus der Geschichte der Uckermark 

Bodendenkmale, Feldsteinkirchen und markante norddeutsche Backsteingotik- überall begegnen einem in der Uckermark die Zeugen der Vergangenheit. Die Uckermark hat eine bewegte Geschichte, in der Brandenburger, Slawen und Pommern eine wichtige Rolle spielten.

Wo beginnt man, wenn man etwas über die Geschichte einer Region schreiben will? Fängt man mit dem Urknall an? Oder den ersten Pantoffeltierchen? Mit Sauriern, die durch die Kreidezeit stapfen? Oder mit dem Moment, als vor einer Million Jahren das erstemal ein Affenmensch, den Faustkeil in der Hand, den Blick nach oben hob? Und wo hört Geschichte auf? Eigentlich doch erst in der Sekunde, die eben noch Gegenwart war und jetzt schon Vergangenheit ist?

Da auf den anderen Seiten viel von der Landschaft der Uckermark die Rede ist, beginne ich am besten mit der Zeit, als diese Landschaft entstand: Der Eiszeit, oder genauer: den Eiszeiten.  Die letzte Eiszeit hat die jetzigen Landschaftsformen der Uckermark hinterlassen. Als die Gletscher, die von Skandinavien her das Land überzogen hatten, schmelzen, hinterlassen sie im Gebiet der heutigen Uckermark eine weitgehend flache, nur leicht hügelige Landschaft, durchzogen von Endmoränen. Dazwischen bildet das Schmelzwasser zahlreiche Seen, Bäche, Flüsse und Moore. Der Wasserreichtum der Uckermark ist also eine Folge der Eiszeit. Im nördlichen Teil der Uckermark entstehen fruchtbare Ackerböden, während es weiter südlich in die "märkische Streusandbüchse" mit ihren kargen Kiefernwäldern übergeht.

Dann geschieht erstmal ein paar Millionen Jahre recht wenig. Die Zeit ist allenfalls für die Paläontologen interessant, die sich mit versteinerten Knochen vorzeitlicher Tiere und Pflanzen beschäftigen. Für den Historiker wird es dann erst in der Steinzeit wieder lebendig: Die ersten Belege für menschliches Leben in der Region stammen aus dieser Zeit. Es wurden z.B. Feuersteingeräte oder eine aus einem Hirschgeweih geschnitzte Axt gefunden, die wohl von Jägern und Sammlern aus dieser Zeit stammen. In der Nähe von Blindow wurden Siedlungsreste der ersten Ackerbauern und Viehzüchter aus dem 4. bis 3. Jahrtausend v.Chr. gefunden. (Ich schreibe mal "vor Christus", obwohl ich eigentlich ein Heide bin; der Begriff hat sich aber wohl eingebürgert). Aus dieser frühen Zeit stammen auch die unglaublich vielen Bodendenkmale in der Uckermark; immerhin ist der Landkreis Uckermark mit ca. 5000 Bodendenkmalen der damit am reichsten ausgestattete Landkreis in Deutschland. Besonders auffällig sind dabei die zahlreichen Burgwälle, die Großsteingräber aus der Jungsteinzeit (auch Hünengräber oder Megalithgräber genannt) und die Hügelgräber aus der Bronzezeit (etwa 1800 bis 1000 v.Chr.). In meinem Heimatort Dedelow befindet sich übrigens eines der größten Hügelgräber in Norddeutschland.

Vom Beginn der Zeitrechnung an bis etwa 400 n.Chr. leben ostgermanische Burgunder und westgermanische Semnonen im Gebiet der heutigen Uckermark; im 4./5.Jahrhundert verlassen sie aber während der Völkerwanderung unser Gebiet.

Im 6./7.Jahrhundert n.Chr. kommen dann von Osten her die Ukranen- ein slawischer Stamm- und besiedeln das Gebiet beiderseits der Ucker bis zum Oderhaff. Sie errichten in dem weitestgehend menschenleeren Gebiet Siedlungen und Schutzburgen. Von ihnen stammt auch die spätere Bezeichnung "Ukera" oder "Terra Ukera", was Grenzland bedeutet. An die slawischen Besiedler erinnern noch heute zahllose Ortsnamen in der Uckermark; schaut man sich eine Landkarte an, so endet fast jeder Ortsname mit "...ow". Den Ukranen kommt das Verdienst zu, die ursprüngliche Urlandschaft der Uckermark durch den Ackerbau in eine Kulturlandschaft verwandelt zu haben. Seit dem 10.Jahrhundert n.Chr. geraten sie aber immer mehr unter Druck pommerscher, deutscher und polnischer Feudalherren, die 1121 beginnen, das slawische Stammesgebiet zu erobern.

1172 erwerben pommersche Herzöge das Gebiet. Sie holen deutsche Adlige und Siedler in das Land. Zentren der Ansiedlung werden Prenzlau und das vom Pommernherzog Bogislav I. 1178 gegründete Prämonstratenserkloster Gramzow. Im 12./13.Jahrhundert dringen die Markgrafen von Brandenburg in die Uckermark vor. In Ihrem Gefolge kommen immer mehr deutsche Bauern, Kaufleute und Handwerker. 1250 wird der Vertrag von Landin geschlossen; der Pommernherzog Barnim I. tritt die Uckermark an die brandenburgisch-askanischen Markgrafen Johann I. und Otto III. ab. Die deutsche Zuwanderung verstärkt sich. Es entstehen Städte, Klöster und Vogteien. Ab der Mitte des 13. Jahrhunderts bis zum Ende des 15.Jahrhunderts kommt es nach dem Aussterben der Askanier immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Pommern, Mecklenburg und Brandenburg um den Besitz der "Terra Ukera". 1448 wird der Frieden zu Prenzlau geschlossen; fast die ganze Uckermark fällt an Brandenburg. 1479 regeln Verhandlungen endgültig den Verbleib der Uckermark in der Kurmark Brandenburg.

Von 1618 bis 1648 wütet auch in der Uckermark der Dreißigjährige Krieg. Sie gehört als Grenzland zu Pommern und Mecklenburg und als ständiges Durchzugsgebiet aller möglichen Heere zu den am schwersten betroffenen Gebieten. Der Krieg bringt Not und Elend, Brandschatzungen, Verwüstungen und zu allem Überfluß auch noch die Pest. Nach dem Krieg ist die Uckermark weitestgehend verwüstet. Gegen Ende des 17.Jahrhunderts kommen in großer Zahl Hugenotten in die Uckermark und bringen ihre Erfahrungen in Wirtschaft und Kultur mit. (Noch heute gibt es in vielen Orten mehr Touissants, Labeaus, de la Barrés oder Devantiers als Meiers, Müllers oder Lehmanns.)

1817 werden in Preußen die Kreise neu eingeteilt. Im Gebiet der Uckermark entstehen die Kreise Angermünde, Prenzlau und Templin.

Im 20.Jahrhundert haben die beiden Weltkriege schwere Auswirkungen auf die Uckermark. Besonders der 2.Weltkrieg bringt schwere Zerstörungen mit sich; 1945 sind Städte wie Schwedt, Prenzlau und Gartz zu über 80% zerstört. Dabei werden auch zahlreiche historische Bauwerke, wie z.B. die Prenzlauer Marienkirche, schwer beschädigt. 1952 werden durch eine Gebietsreform in der DDR die Kreise verkleinert, die Länder faktisch aufgelöst und die Bezirke gebildet. Die Uckermark wird geteilt, die Kreise Prenzlau und Templin gehören zum Bezirk Neubrandenburg, der Kreis Angermünde zum Bezirk Frankfurt/Oder. 1961 wird die durch eine starke Industrialisierung (Petrolchemisches Kombinat, Papierindustrie) erheblich gewachsene Stadt Schwedt/Oder kreisfreie Stadt. In der DDR wird die Uckermark durch Landwirtschaft, Nahrungsgüterwirtschaft, aber in zunehmendem Maße auch durch neu entstehende Industrie geprägt. 1990 entscheiden sich in Bürgerbefragungen die Bürger der Kreise Prenzlau und Templin mit überwältigender Mehrheit für eine Zugehörigkeit zum Land Brandenburg. Ihnen folgen 1992 eine Reihe von Gemeinden aus den Kreisen Pasewalk und Strasburg, die durch einen Staatsvertrag von Mecklenburg-Vorpommern nach Brandenburg wechseln. 1993 wird durch die brandenburgische Kreisneugliederung der Landkreis Uckermark aus den Kreisen Angermünde, Prenzlau und Templin sowie der nun nicht mehr kreisfreien Stadt Schwedt gebildet.

Empfehlenswerte Literatur:


Diese Seite im WWW: www.heikostreich.de/uckermark/historie.htm
Letzte Änderung: 28.1.2005
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